Ungewöhnliche Laufräder: das Modell FLIZ

Das Laufrad ist seit der Erfindung durch Karl Drais Ausgangspunkt vieler Weiterentwicklungen wie etwa dem allseits gegenwärtigen Fahrrad geworden. Es hat sich ferner in zahlreichen Variationen als Spielzeug für Kinder und Kleinkinder etabliert.

Nicht wenige Erlebnisse der Beschleunigung und der Mobilität „fußen“ auf einer frühkindlichen Laufraderfahrung. Neben dem bekannten Markt für Kinder entwickelten sich zudem Angebote für Menschen mit Behinderung, wie etwa das optisch zunächst ungewöhnlich anmutende, aber sehr unterstützende Pedo Bike.

Doch auch Erfinder, Künstler und mutige Studenten wagen sich an innovative Ideen, sie dekonstruieren Bekanntes und wagen sich an eigene Entwürfe, die teilweise sehr spektakulär anmuten.

Ein solches ist das Laufrad FLIZ, welches als erster Kandidat in der Reihe über ungewöhnliche Laufräder vorgestellt wird.

Video: Laufrad FLIZ im Einsatz

Idee, Protagonisten und Geschichte

Das Ziel von FLIZ ist die Erweiterung der Mobilität für unterschiedliche Benutzer im urbanen Raum, es zielt also nicht explizit auf Kinder ab, sondern der Ansatz richtet sich vorwiegend an Erwachsene.

In diesem Zuge widmeten sich die Erfinder und Erbauer Tom Hambrock und Juri Spetter zunächst der klassischen Laufmaschine von Karl Freiherr von Drais, die seinerzeit ebenfalls die Verbesserung des Alltäglichen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten anstrebte.

Er setzte mit seinem Gerät auf die natürlichste Art der Fortbewegung – das Gehen und Laufen. So ungewöhnlich das Modell FLIZ aussieht, grundsätzlich wird menschliche Gang aufgegriffen und durch das Laufradkonzept innovativ ins Jetzt transportiert.

Das neuartige Design des FLIZ

Für die Optik zeichnet maßgeblich der aus Glas- und Kohlefasern handlaminierte Rahmen verantwortlich, er differenziert sich ergonomisch und optisch deutlich vom Fahrrad.

Der Nutzer befindet sich durch den 5-Punkt-Gurt unter dem Gestell. Der Gurt bildet, folgt man den Erfindern, eine Einheit mit dem Körper des Fahrers. Ziel ist ein innovatives und neuartiges Fahrgefühl.

Was Kritiker oft übersehen: Das Auflegen und Anschnallen von Gepäck ist mittels der waagerechten Querspanten möglich. Ihren gesundheitlichen Anspruch an das „Gurtrad“, der vor allem im Zuge von Rehabilitationsmaßnahmen Sinn macht, skizzieren die Erfinder auf Ihrer Site wie folgt:

Die Rahmenkonstruktion dient als Dämpfung, das verstellbare Gurtsystem bietet optimale „Lauffreiheit“ – eine besonders schonende Art der Fortbewegung. Die Gelenke werden entlastet und das Körpergewicht verteilt sich auf einen größeren Bereich. Dank dieser Eigenschaften ist vor allem der Einsatz im Bereich von Rehabilitations- oder Bewegungstherapien denkbar. Menschen mit eingeschränkten Bewegungsmustern bleiben in der Lage, die Mobilität eines Fahrrades zu genießen und durch das erleichterte Laufen die Beinmuskulatur behutsam zu kräftigen. Das Abstützen mit den Füßen auf dem Boden ist jederzeit möglich – auch während der Fahrt können Beine und Füße mit Hilfe der schmalen Tritte am hinteren Ausfallende entlastet werden.

Integrierte Fahrradelemente

Viele traditionelle Eigenheiten des Fahrrads sind weiterhin integriert: Lenkung, Hydraulikbremsen und Radstand wurden übernommen, es ist kein Neulernen der Bedienung notwendig, sondern nur eine Modifikation und die Bereitschaft, bisher Etabliertes zu hinterfragen und sich auf Neues einzulassen.

Besonders die intuitive Handhabung des Rads bleibt erhalten. Eine sichere Fahrstabilität gelingt ebenfalls schnell, denn man kann die Füße jederzeit problemlos auf den Boden bringen.

Diskussion

Erwartungsgemäß fallen die Reaktionen auf eine solche, den Erwartungen und Erfahrungen widerstrebende Idee sehr unterschiedlich aus: Unverständnis und Unmut auf der einen Seite („Was soll denn das auf der Straße?“, „Das sieht unbequem aus..“ uvm.) sowie Lob und Zuversicht als Gegenpol.

Es ist vermutlich kein Radmodell für jedermann, doch manche Menschen übersehen dabei mitunter den beschriebenen Nutzen für das besondere Klientel in Rehabilitations-Maßnahmen. Da ergonomische Ideen in das Design mit einfließen, bestehen ergänzend Perspektiven für Menschen mit physischen Problemen.

So kontrovers und mitunter gut begründet die divergierenden Einschätzungen sein mögen, das Interesse an FLIZ ist enorm; im Sommer 2016 verbuchte der obige Clip zum dem pedallosen Rad mit Gurt bereits über eine halbe Million Aufrufe bei Youtube.

FLIZ in der Ausstellung

Die Bedeutung der Erfindung zeigte sich zudem darin, dass das ungewöhnliche Laufrad 2014 Teil einer größeren Ausstellung in Hamburg war und dort viel Aufmerksamkeit erfuhr.

Viel Resonanz im englischsprachigen Raum

Über 2,5 Millionen Klicks erhielt dieses englischsprachige Video zum innovativen Laufrad. Er verdeutlicht abschließend nochmals den Anspruch und die praktische Nutzung des mutigen Ansatzes.